Ästhetische Religionspädagogik


Die ästhetische Religionspädagogik geht vom Begriff der aisthesis-Sinneswahrnehmung aus. Dies schließt zwar auch Kunst ein, geht aber weit darüber hinaus. Nach Hartmut von Hentig sollte die Sinneswahrnehmung am Anfang aller Bildung stehen.

Eine Theorie der ästhetischen Erziehung geht davon aus, dass es zwei Weisen der Erkenntnis und des Zuganges zur Welt gibt: eine wissenschaftliche und eine ästhetische. Die eine betrifft mehr das rationale, analytische, diskursive Denken, die andere die intuitiv-ganzheitliche Ebene.

Alle Vertreter einer ästhetischen Religionspädagogik wie von evangelischer Seite Peter Biehl, Joachim Kunstmann, auf katholischer Seite Günter Lange und Georg Hilger betonen, dass gerade für eine religiöse Bildung ein ästhetischer Zugang eine besondere Bedeutung besitzt. Kunstmann unterstreicht die „ästhetische Signatur" der Religion, da man immer auch mit einer poetisch-metaphorischen Sprache, mit Symbolen, Liturgie und künstlerischen Entfaltungen zu tun habe.

Letztendlich ist dieser Ansatz nicht wirklich neu, auch was unsere konkrete Arbeit in der fachdidaktischen Ausbildung betrifft, denn jeder würde sich gegen einen rein kognitiv orientierten Ansatz wehren. Auch um Erfahrungen im Unterricht zu evozieren, wird immer wieder auf Literatur, Film, bildende Kunst, Musik zurückgegriffen. Dennoch halte ich die ästhetische Religionspädagogik für meine Vorstellung von religiösem Lernen für sehr hilfreich, um wichtige religionsdidaktische Ansätze in einer theoretischen Basis zusammenzuführen, und vieles aus ihr heraus zu entfalten. Untermauert wird dieser Ansatz auch durch neurobiologische Forschungsergebnisse.

Symboldidaktik, kreatives Arbeiten, Lernen mit allen Sinnen, Meditation, Lernen, das in Bewegung setzt wie Spiel, Projektunterricht, Ermöglichung von religiöser Erfahrung, religionspädagogische Werkstatt, Umgang mit bildender Kunst, Literatur, Musik, Film, Theater... sind alles Entfaltungen eines Ansatzes der ästhetischen Religionspädagogik.

Wesentlich sind auch die drei Dimensionen ästhetischer Bildung ausgehend von aisthesis, poiesis und katharsis.

  • So wird in der wahrnehmend-rezeptiven Dimension Aufmerksamkeit gelernt, eigene Wahrnehmungsmuster können durchbrochen werden.
  • In der produktiven Dimension können die Ausdrucksmöglichkeiten der SchülerInnen erweitert werden.
  • Eine kommunikative Dimension betont, dass ästhetische Erfahrung zur kritischen Urteilsbildung führen kann.

Der Ansatz der ästhetischen Religionspädagogik findet sowohl in meiner wissenschaftlichen Arbeit, der intensiven Tätigkeit im Bereich der bildenden Kunst, als auch in der Lehre (spezielle Fachdidaktik) seine Entfaltung. Die Möglichkeiten unserer „Religionspädagogischen Werkstatt" können basierend auf diesem theoretischen Hintergrund erfolgreich einbezogen werden.

(Mag. Dr. Eva Maltrovsky)