Megatrend Religion? Neue Religiositäten in Europa


Religion gehört angeblich zu den Megatrends des neuen Jahrtausends. Sozial- und Trendforscher schreiben seit Jahren von der wachsenden Bedeutung von Religion, gerade im oft als "säkularisiert" etikettierten Westen Europas. Gleichsam als Bewegung in die Gegenrichtung wird ein Bedeutungsverlust des Christentums geortet, ebenfalls hier in jenem Europa, das jahrhundertelang von dieser Religion und ihren kulturellen Prägungen dominiert war.

In der Spannung zwischen beiden Tendenzen versucht die Studie, Religiosität – vor allem im Sinne einer menschlichen Daseinsweise, weniger im Sinn einer Religiosität, die sich von einer bestimmten Konfession oder Religion her ableitet -  im deutschsprachigen Europa zu beschreiben und das angeblich "Neue" an ihr zu analysieren. Die Untersuchung will mehr Klarheit in das komplizierte Verhältnis von (post-)modernen Menschen und Religion bringen und sich dabei vor allem jenen religiösen Phänomenen widmen, die außerhalb der verfassten Religionsgemeinschaften manifest werden.

Um diesen Zielen gerecht zu werden, spannt sie inhaltlich wie methodisch einen weiten Bogen:

  • Zunächst wird die in der Literatur vorfindbare Diskussion um Religiosität erläutert und weitergeführt. Ein Begriff von Religiosität wird entwickelt, der möglichst viele Phänomene in den Blick bekommen soll, die im weitesten Sinn als "religiös" erscheinen können.
  • In der Folge werden mit quantitativen und qualitativen Methoden Daten erhoben und analysiert. Die Ergebnisse bestätigen einen Wandel der religiösen Landschaft.
  • Breiten Raum nimmt die Erforschung "neuer Erscheinungsorte" des Religiösen ein: Mittels der Methode der "Überblendung" wird Religiosität in all jenen Lebensbereichen gesucht, die traditionell als säkular gelten: Wirtschaft und Politik, Kunst und Wissenschaft, die Medien und die Werbung, die sogenannte "Freizeitgesellschaft" und der Bereich der Erwachsenenbildung, aber auch die Religionsgemeinschaften selbst wurden auf religiöse Spuren hin befragt und untersucht.
  • Gegen Ende werden Kontexte außerhalb des deutschsprachigen Raums aufgesucht: Religionswissenschafterinnen aus Nord-, Süd- und Osteuropa (Liselotte Frisk, Miklos Tomka, Luigi Tomasi) geben einen Überblick über eine mögliche "neureligiöse" Situation in ihren Ländern.
  • Zuletzt werden die Ergebnisse aus verschiedenen fachspezifischen Blickrichtungen interpretiert und reflektiert: aus der Perspektive der Religionswissenschaft (Johann Figl, Christoph Bochinger), der Philosophie (Thomas Macho), der Kommunikationswissenschaft (Thomas Bauer) und der Geschichte (Michael Mitterauer) und schließlich der Pastoraltheologie (Maria Widl).


Das Projekt wurde im Zeitraum von 1998 bis 2000 von der Arbeitsgruppe Pastoralsoziologie am Institut für Pastoraltheologie der Universität Wien gemeinsam mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Werteforschung durchgeführt. Die Projektleitung lag bei Christian Friesl und Regina Polak.

Die Studie ist publiziert in:

    Regina Polak (Hg.):
    Megatrend Religion? Neue Religiositäten in Europa
    Ostfildern (Schwabenverlag) 2003