Geschichte des Instituts

Die Gründung: das „Institut für Pastoraltheologie“

Veranlasst durch den damaligen Direktor der Theologischen Fakultät Wien, den Benediktinerabt Franz Stephan Rautenstrauch, und seinen „Entwurf einer besseren Einrichtung theologischer Schulen“ wird die Pastoraltheologie 1774 in den Fächerkanon der Theologie aufgenommen. In der Folge werden bereits im Studienjahr 1775/76 an der Wiener Fakultät pastoraltheologische Vorlesungen gehalten und das Jahr 1777 – Franz Giftschütz wird zum ersten Lehrstuhlinhaber des Faches Pastoraltheologie ernannt (Ordinarius von 1777/78-1788) – gilt offiziell als die „Geburtsjahr“ der Pastoraltheologie. Der Lehrstuhl an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien ist damit der weltälteste Lehrstuhl für die „Aufklärungsdisziplin“ Pastoraltheologie.

Lange Zeit bleiben das Fach und seine Vertreter – bedeutend unter ihnen vor allem Anselm Ricker (1872-1895), Heinrich Swoboda (1895/99-†1923), Michael Pfliegler (1946-1961) – dem Rautenstrauchschen Konzept der Pastoraltheologie verpflichtet. Demzufolge steht der „Pastor“ als alleiniges Subjekt der Seelsorge in seiner Verantwortung für die Kirche im Mittelpunkt der Überlegungen; primäres Anliegen einer so verstandenen Pastoraltheologie ist die qualitätsvolle – theoretische wie praktische – Ausbildung des priesterlichen Seelsorgers.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer verstärkten Ernstnahme anthropologischer, psychologischer, soziologischer Realitäten sowie zu einer „Weitung“ und theologischen Fundierung der Disziplin – maßgeblich beeinflusst durch das Rahnersche Verständnis von Pastoraltheologie als jener Wissenschaft, welche die aktuelle Situation der Kirche theologisch reflektiert und deutet und vor diesem Hintergrund die je jetzt fällige Verwirklichung von Kirche bedenkt. In dieser jüngeren Vergangenheit sind es dann vor allem der „Gemeindetheologe“ Ferdinand Klostermann (1962-1977), Josef Müller (1977/78-1982) und vor allem der stark religionssoziologisch orientierte Paul-Michael Zulehner (1984-2009), die mit ihren je spezifischen Ansätzen das Fach in hohem Ausmaß mitgestalten und prägen.

Die Trennung: das „Institut für Pastoraltheologie und Kerygmatik“ und das „Institut für Religionspädagogik und Katechetik“

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Katechetik dem Lehrstuhl für Pastoraltheologie zugewiesen. Für diese Zeit hervorzuheben ist Leopold Krebs, der sich aufgrund seiner beruflichen Herkunft als Religionslehrer als Ordinarius für Pastoraltheologie (1923-1939/1946) besonders der Katechetik annahm. Auch Michael Pfliegler ist – besonders während seiner Dozententätigkeit – darum bemüht, Seelsorge, Verkündigung und Katechese genauer zu erforschen und ihre psychologischen Voraussetzungen und gesellschaftlichen Bedingungen stärker zu reflektieren.

Ferdinand Klostermann war es dann, der – in Weiterführung des Anliegens Swobodas – die Aufgliederung der Pastoraltheologie in verschiedene, qualitätsvoll zu besetzende Lehrstühle forcierte und unter dem es zur Errichtung eines selbständigen „Instituts für Religionspädagogik und Kerygmatik“ kam (1967; ab 1977 „Institut für Religionspädagogik und Katechetik“ und „Institut für Pastoraltheologie und Kerygmatik“). Dem neu gegründeten Institut wird der schulische Religionsunterricht, die Katechetik als außerschulische Glaubenseinführung und -begleitung sowie die – sich in den letzten Jahrzehnten als eigene Disziplin etabliert habende – Fachdidaktik zur wissenschaftlichen Reflexion aufgetragen. Erster Lehrstuhlinhaber ist Bruno Dreher (1968-†1971); nachhaltig geprägt wird diese erste Phase der Wiener Religionspädagogik durch Wolfgang Langer (1979-2000), der – wieder unter Aufnahme der Theologie Karl Rahners – eine anthropologische Wende der Religionspädagogik einleitet.

Die Wiedervereinigung: das „Institut für Praktische Theologie“

Mit dem 1. Jänner 2007 beginnt eine neue Phase der „Praktischen Theologie“ an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. In diesem Jahr konstituierte sich unter der Leitung von Regina Polak und Martin Jäggle das „Institut für Praktische Theologie“, und zwar als eine Fusion der vormaligen Institute für Pastoraltheologie und Kerygmatik sowie für Religionspädagogik und Katechetik. Diese Vereinigung der beiden Fachbereiche ermöglicht es nun (wieder) – unter Beibehaltung der fachlichen Spezifika der beiden Disziplinen –, „Praktische Theologie“ in einem gemeinsamen Diskussionsraum zu betreiben.

Seit März 2010 hat Johann Pock die Professur für Pastoraltheologie und Kerygmatik mit Schwerpunkten in der Gemeinde- und Sakramentenpastoral sowie in der Homiletik. Mit September 2015 wurde Andrea Lehner-Hartmann Professorin für Religionspädagogik und Katechetik mit den Schwerpunkten Subjektive Theorien in der Fachdidaktik, religiöses Lernen und religiöse Bildung in einer pluralen Gesellschaft sowie Gender in (religiösen) Bildungsprozessen. Regina Polak hat seit Oktober 2013 die neu errichtete assoziierte Professur für Praktische Theologie und Religionsforschung mit den Schwerpunkten Religion und Interreligiöser Dialog im Kontext von Migration sowie Werteforschung. Christian Friesl ist seit 2001 außerordentlicher Universitätsprofessor mit Schwerpunkt Werteforschung/Europäische Wertestudie.

Als roter Faden quer durch die Geschichte des Lehrstuhls für Pastoraltheologie bzw. Praktische Theologie in Wien zieht sich die Selbstverpflichtung des Faches zu einer doppelten Aufmerksamkeit: einerseits gegenüber dem Kairos – d.h. gegenüber der konkreten geschichtlichen Situation als Ort der Selbstmitteilung Gottes –, andererseits gegenüber dem Evangelium sowie der theologischen und kirchlichen Tradition.

Nähere Informationen zu Selbstverständnis, Schwerpunkten und Zielen in Forschung und Lehre finden Sie im Leitbild des Instituts.

Bitte beachten Sie auch das Furche-Dossier vom 8.11.2007 "(Praktische) Theologie im Dienst von Kirche und Gesellschaft“.